Letzte Aktualisierung: 11. September 2013 | 2214928 | Anbieterkennzeichnung
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Täler der Ahnungslosen

Experten warnen: Auf dem Land müssen mehr Breitband-Anschlüsse her. Sonst werden ganze Gebiete abgehängt, besonders im Osten. Das trifft auch Unternehmen hart. Morgen befassen sich Thüringer Wirtschaftspolitiker mit dem Problem.

Wenn Badra in Dänemark läge, hieße es wohl Bådrå, und Thomas Schuller hätte Breitband-Internet. Schließlich sind die Dänen nach einer neuen EU-Studie europaweit beim Breitband mit an der Spitze. Aber Badra liegt im Kyffhäuserkreis. Und Thomas Schuller ist ziemlich sauer.

"Abgeschnitten", sagt er nur, wenn es um das schnelle Internet geht. Und er meint nicht nur Badra, nicht nur den Kyffhäuserkreis. Auf einer Karte des Bundeswirtschaftsministeriums zur DSL-Versorgung in Thüringen sind die weißen Flecken deutlich zu sehen.

Fast alle der etwa 15 Millionen schnellen Internetzugänge in Deutschland funktionieren mit der DSL-Technik. Rund die Hälfte gehört zur Telekom, die aber nicht sagen will, wie viele davon in Thüringen liegen. Laut EU-Studie hat jeder vierte Haushalt in Deutschland Breitband. Wahrscheinlich sind es in Thüringen deutlich weniger. Der Blick auf den Bundesatlas zeigt die Unterversorgung der ländlichen Gebiete.

Jetzt beginnt die Stimmung zu gären. Eine Studie der IHK Rostock ergab, dass ein Viertel der Gewerbegebiete in Mecklenburg-Vorpommern - vor allem auf dem Land - keinen Breitband-Zugang besitzt. In Sachsen warfen die Grünen der Landesregierung vor, Teile des Landes durch Tatenlosigkeit wieder zu "Tälern der Ahnungslosen" zu machen.

Auch Experten warnen. "Das trifft den Osten besonders", sagt Sascha Wilms vom Verband der Internetwirtschaft (eco). "Die Schere zwischen Land und Stadt geht immer weiter auf." Er bezweifelt die Angaben des Breitbandatlas´ - 95 Prozent Abdeckung dort entsprächen wohl eher 75 Prozent in der Wirklichkeit. Auch wenn es keine zuverlässigen Angaben über die Anschlussdichte gibt: Die Fläche im Osten ist dünner besiedelt, ihre Bewohner haben im Schnitt weniger im Portemonnaie und vielfach Glasfaserkabel vor der Tür liegen, die Anfang der 90er modern waren, heute aber den DSL-Zugang enorm erschweren. "Man kann darüber auch schnelles Internet anbieten, müsste aber erheblich investieren", so Wilms. Das wird in Badra wohl nicht so schnell passieren.

Doch es gibt Alternativen. Für die wirbt eco, weil viele Verbandsmitglieder sie verkaufen. Breitband-Anschlüsse über Funk oder Satellit sind solche Variationen, die auch auf dem Land funktionieren können. Auch die Telekom bietet sie an. Dennoch - bei einer Werbeveranstaltung in Erfurt hat Wilms zwar kürzlich viele Interessierte getroffen, aber kaum einen Bürgermeister. Ältere Jahrgänge in den kommunalen Verwaltungen "schätzen das Thema wohl anders ein", sagt Wilms vorsichtig. Mit anderen Worten: Schnelles Internet ist nicht weit oben auf der Prioritätenliste. Oder einfach zu teuer.

Weit oben auf der Liste steht es aber für viele Unternehmen und Privatleute, die endlich schnell surfen wollen. Es geht nicht nur um die Erleichterung, nicht mehr minutenlang auf den Aufbau der Seiten warten zu müssen. Es geht zum Beispiel auch um Internet-Telefonie. Und für Unternehmen um sicheren Datenaustausch.

Jeder Abgeordnete höre die Klagen von Unternehmen aus seinem Wahlkreis, sagt der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Thüringer Landtags, Michael Krapp (CDU). Auch deshalb beschäftigt sich der Ausschuss morgen mit dem Thema. Krapp sagte dieser Zeitung, in Thüringen sei jetzt "ein Punkt erreicht", an dem sich die Politik einschalten wolle.

Auf Anfrage teilte das Thüringer Wirtschaftsministerium mit, zurzeit gebe es keine Projekte der Landesregierung, um ländliche Gebiete mit schnellem Internet zu versorgen. Da ist man anderswo schon weiter. In Hessen zum Beispiel hat die Landesmedienanstalt vor wenigen Tagen das Projekt "nordig" angeschoben, das in einem Pilotversuch die Nordhessen auf dem Land mit Internet über Satellit versorgen soll.

Auch Thomas Schuller ist fast raus aus seinem Tal der Ahnungslosen. Er hat eine Bürgerinitiative gegründet. Antennen sollen aufgestellt werden, ein Anbieter für ein Funknetz ist gefunden. Zwei Unternehmen haben schon großes Interesse bekundet, in Badra auch endlich ans schnelle Netz zu kommen. "Eigeninitiative", sagt Schuller, "ist die einzige Chance." Es sei denn, man wohnt in Hessen. Oder in Dänemark.

Quelle: Thüringer Allgemeine, Erfurt vom14.05.2007
Autor: Sönke Klug

Update:

Der Initiator des Funkprojektes in Badra - Thomas Schuller - ist auch bereit in anderen Ortschaften Nordthüringens ähnliche Installationen zu errichten. Falls Sie hieran Interesse haben, hier seine Kontaktdaten:

Thomas Schuller
Hauptstr. 37
99706 Badra
Mobil: 0172 / 3632040
E-Mail: thomasbadra@freenet.de

 
Web www.wlan-skynet.de