Letzte Aktualisierung: 11. September 2013 | 2175578 | Anbieterkennzeichnung
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Störungen durch Radar

Antenne auf dem Dach
Animation zur Funktionsweise von Rotationsradar


Neben WLAN nach IEEE 802.11a bzw. 802.11h wird das 5-GHz-Frequenzband auch noch von anderen Funkanwendungen genutzt.

Die wichtigste und bekannteste Funkanwendung ist das Radar. Damit ist weniger die Geschwindigkeitskontrolle am Straßenrand gemeint sondern Positionsradare, z.B. von Flughäfen oder Schiffen.

Der Gesetzgeber unterscheidet hier nach Priorität der Funkdienste. Dabei ist eine mitunter lebenswichtige Einrichtung wie das Flugradar deutlich höher angesiedelt als das WLAN. Darum spricht der Gesetzgeber in Bezug auf das 5-GHz-Band auch von Primär- und Sekundärnutzern. Das Radar ist der Primärnutzer.

Beim Positionsradar wird ein eng gebündelter Richtstrahl durch eine rotierende Antenne ausgesendet. Durch die Reflektion dieses rotierenden Richtstrahls werden metallische Objekte rund um den Standort des Rotationsradars erfaßt. Wie bei WLAN-Richtfunkanlagen umfaßt auch eine Radarstation sowohl Sender als auch Empfänger.

Betrachtet man ein Rotationsradar von außerhalb, so erscheint der rotierende Richtstrahl mehr wie ein wiederkehrender Impuls. Trifft dieser Impuls auf ein WLAN-Gerät, das im 5-GHz-Band arbeitet, so wird der Impuls als Störsignal auf dem eigentlichen Nutzsignal (WLAN) wahrgenommen. Das stört natürlich die Übertragung.

Viel wichtiger und entscheidender ist jedoch, daß die Aussendungen der eigenen WLAN-Anlage auch im umgekehrten Fall das Radar stören kann in dem es falsche Positionsbilder erzeugt oder das Erfassungssystem einfach nur stört. Da das Radar jedoch der Primärnutzer im 5-GHz-Band ist, muß das WLAN dafür Sorge tragen daß es Radaranwendungen nicht stört.

Um dies zu gewährleisten, wurde der ursprüngliche WLAN-Standard IEEE 802.11a durch Zusätze wie DFS und TPC ergänzt. Diese Ergänzungen wurden dann im Zusatzstandard IEEE 802.11h zusammengefaßt. Darüber hinaus wurde erst kürzlich eine europaweit einheitliche Norm eingeführt, die ETSI EN 301 893.

Vereinfacht gesagt geht es darum, so schnell wie möglich die Frequenz freizugeben, sobald ein Radar entdeckt wird. Darum überwachen standardkonforme 5-GHZ-WLAN-Geräte ständig ihre Trägerfrequenz auf Störungen durch Radar. Wird ein Radar erkannt, so wird automatisch der Kanal gewechselt (Dynamische Frequenz-Selektion, DFS). Durch diese automatischen Kanalwechsel kann es zu kurzen Unterbrechungen der Funkverbindung kommen. Gemäß der neuen ETSI EN 301 893 können diese Unterbrechungen bis zu mehrere Minuten dauern.

Hinzu kommt ein weiterer Störeffekt, der auf physikalischen Prinzipien beruht. Das 5-GHz-WLAN-Band umfaßt 11 Kanäle von 5470 MHz bis 5725 MHz (Gemeint ist hier nur das für Richtfunk relevante Subband 2). Durch die dynamische Frequenzselektion kann es durchaus vorkommen, daß innerhalb kurzer Zeit von einem niedrigen Kanal bei 5500 MHz auf einen hohen Kanal bei 5700 MHz gewechselt wird. Durch die höhere Frequenz verändert sich die Streckendämpfung. Dies kann besonders bei langen Richtstrecken von mehreren Kilometern zu einem Signalverlust von bis zu 6 dB führen.

Aus diesem Grund sollten Richtstrecken immer mit dem schlechtest möglichen Szenario berechnet werden, also bei der Nutzung des höchsten Kanals bei 5700 MHz.

Schwierigkeiten bei der Radarerkennung

Radar kommt in verschiedenen Einsatzbereichen vor und wird sowohl zivil als auch militärisch genutzt. Es ist leicht vorstellbar, daß gerade militärische Funkanwendungen keiner besonders guten und öffentlich zugänglichen Dokumentation unterliegen.

Darum ist es für die WLAN-Geräte nicht gerade einfach, unter den verschiedenen Störungen die mitunter natürlicherweise vorhanden sind (man erinnere sich nur an das Pfeifen von Mittelwellen-Radios) diejenigen zu erkennen, die von Radarstationen ausgehen.

Da der Gesetzgeber vorschreibt daß WLAN-Geräte die Frequenz IMMER freizugeben haben wenn ein Primärnutzer erkannt wird, ist die Radarerkennung demzufolge so eingestellt daß sie auf alles reagiert was einem Radar-Signal entfernt ähnlich ist. Ein professioneller Firmware-Programmierer nannte das einmal "Kaffeesatz-Leserei".

So kann es durchaus vorkommen, daß die Radar-Erkennung auch auf Signale anspricht die nicht von einem Radar kommen und auch nicht von einem anderen sogenannten Primärnutzer. In so einem Fall kann es durchaus angebracht sein, einmal von der Bundesnetzagentur (ehemals Regulierungsbehörde, RegTP) überprüfen zu lassen ob ein Nachbar evtl. eine unzulässige Funkanlage oder ein störendes Gerät betreibt.

 
Web www.wlan-skynet.de