Letzte Aktualisierung: 11. September 2013 | 2272305 | Anbieterkennzeichnung
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BFWA - Broadband Fixed Wireless Access

Am 30. August 2007 hat die Bundesnetzagentur (BNetzA, früher RegTP) einen weiteren Frequenzbereich im 5-GHz-Band freigegeben. Es handelt sich dabei weitestgehend um den aus dem Standard IEEE 802.11a bekannten Subband 3. Lediglich eine Verschiebung um 20 MHz nach oben wurde festgelegt sodaß hier nun der Bereich 5755 bis 5875 MHz zur Verfügung steht. Dieses 120 MHz weite Band bietet Platz für 6 Kanäle á 20 MHz Breite.

Anwendungsgebiete

Wie der Name "Broadband Fixed Wireless Access" schon sagt soll damit vorallem der Bereich der semiprofessionellen Punkt-zu-Punkt- und Punkt-zu-Mehrpunkt-Anwendungen angesprochen werden. Auch für vermaschte Netze und gewöhnliche Accesspoints ist der neue Frequenzbereich zugelassen, wenn auch mit Einschränkungen.

Daher richtet sich die Nutzungsmöglichkeit dieses Bereiches auch nur an gewerbliche öffentliche Kommunikationsdienstleister. Aus diesem Grund wurde für die Nutzung des Frequenzbereiches auch keine spezielle Technik vorgeschrieben. Den Nutzern ist es also selbst überlassen, ob sie hier WLAN-Techniken oder auch z.B. WiMAX einsetzen wollen.

Top: 4000 mW EIRP

Eine der herausstechendsten, vielleicht die wichtigste Neuerung, ist die höhere zulässige äquivalente isotrope Abstrahlleistung von 36 dBm oder 4000 mW. Ferner wurde eine spektrale Grenze von 200 mW pro MHz festgelegt. Bei 20 MHz breiten Kanälen eben besagte 4000 mW. Für den Anwendungsfall von vermaschten Netzen (Mesh-Grids) und Accesspoints wurde die maximale Sendeleistung auf 33 dBm bzw. 2000 mW beschränkt.

Am Beispiel einer 6 km langen WLAN-Richtfunkstrecke ergibt sich hier folgendes Bild: Gemäß den physikalischen Gesetzen steigt die Streckendämpfung bei zunehmender Frequenz. Der niedrigste im Außenbereich nutzbare WLAN-Kanal im 5-GHz-Band ist der Kanal 100 bei 5500 MHz. Der höchste nach dem neuen Standard nutzbare Kanal ist Kanal 171 bei 5855 MHz. Bei optimalen Sichtbedingungen beträgt die Differenz der Streckendämpfung 0,52 dB zwischen diesen beiden Kanälen.

Daraus ergibt rechnerisch sich an diesem Beispiel der 6 km langen Richtstrecke eine Steigerung des Signal-Rauschabstandes um 5,48 dB.

Flop: DFS und Radarerkennung noch restriktiver

Leider sieht es nach der aktuellen Sachlage so aus, daß die Bestimmungen des ohnehin schon sehr restriktiven Standards EN 301 893 nochmals verschärft wurden. Hier gilt nun die neue europäische Norm EN 302 502.

Neben den bereits bekannten Unsinnigkeiten wie dem lästigen 24-Stunden-Rescan wurden leider noch weitere "genormte Störquellen" eingebaut. Hier sei vorallem eine Erhöhung der Anzahl zu erkennender Radarmuster genannt. Bisher waren es derer drei, nun sieht es so aus als wären es 6. Dadurch ist eine erhöhte Anzahl von Fehlerkennungen zu erwarten.

Um auch die letzten bekannten "Schleichwege" um die Linkdown-Zeiten herum auszuschließen werden erstmals auch solche Geräte erfasst, welche mehrere Funkmodule enthalten. Darin wird festgelegt, daß sobald eines der Funkmodule ein Radar erkennt, sämtlichen weiteren Funkmodule des selben Gerätes den Funkbetrieb einzustellen haben. Egal auf welchem Kanal sie gerade arbeiten.

Eine weitere unangenehme Neuerung ist eine zehnsekündige "Channel Move Time" (CMT). Diese legt fest, daß bei einem von DFS ausgelösten Kanalwechsel eine Sendepause von 10 Sekunden zu erfolgen hat. Damit dürften schnelle Kanalwechsel wie bisher vom 5-GHz-WLAN bekannt im neuen Frequenzbereich nicht mehr möglich sein.

Inwieweit vorhandene WLAN-Hardware durch Firmwareupdates nachgerüstet werden kann ist noch nicht bekannt. Zwar sind z.B. alle 11a-WLAN-Chipsätze des Herstellers Atheros prinzipiell in der Lage, den neuen Frequenzbereich mit angemessener Sendeleistung zu nutzen. Doch wie es mit den neuen Anforderungen an Radarerkennung aussieht konnte auf Anfrage noch kein Hersteller sagen.

Bei Lancom Systems wird die Sachlage derzeit analysiert. Stellungnahmen weiterer bekannter WLAN-Hersteller stehen noch aus. Auch sind die technischen Details derzeit noch mit Vorsicht zu genießen, die europäischen Normen des ETSI lassen oft einigen Raum für Diskussionen und Interpretationen.

( Update 08.10.2007 )

Atheros als Hersteller der bekannten 5-GHz-Chipsets AR5213 und AR5414 hat die Unterstützung für BFWA in seine Treiber-Binaries für Linux eingepflegt. Dies schließt die Implementierung der DFS-, TPC- und Radardetection-Regulatorien mit ein. Dadurch sind Linux-basierte Betriebssysteme in der Lage, BFWA zu unterstützen. So ist DD-WRT für x86- und Avila-Boards inzwischen kompatibel zu BFWA.

Meldepflicht

Für die Nutzung des BFWA-Frequenzbereiches werden verschiedene Anmeldungen bei der Bundesnetzagentur notwendig. Durch die Beschränkung von BFWA auf den gewerblichen Bereich ist man zunächst als gewerblicher Telekommunikationsanbieter meldepflichtig. Das entsprechende Meldeformular ist in den Literaturquellen unter [2] verlinkt.

Der Anmeldung ist ein Verzeichnis der geplanten Standorte von BFWA-Funkanlagen beizugfügen. Die Bundesnetzagentur ist berechtigt, solche Anlagen auf Konformität zu überprüfen. Die unter [1] verlinkte Allgemeinzuteilung legt auch fest, daß den Mitarbeitern der Zugang zu den Anlagen zu gewähren ist. Man sollte also davon ausgehen daß BFWA-Anlagen kontrolliert werden.

Mit den Anmeldeformalien wird man aber von der Bundesnetzagentur nicht allein gelassen. Auf Anfrage helfen die Mitarbeiter der BNetzA bei der richtigen Anmeldung. Kosten fallen für beide Anmeldungen jedenfalls keine an - von Portokosten mal abgesehen.

Literaturquellen

  1. Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur zu "Broadband Fixed Wireless Access" als PDF
  2. Anmeldeformular für gewerbliche Telekommunikationsanbieter bei der BNetzA als PDF
  3. ETSI.org, Download des Standards EN 302 502 als PDF (eMail-Registrierung erforderlich)
 
Web www.wlan-skynet.de